Wenn im April oder Mai endlich die Weidesaison beginnt, freut sich nicht nur der Pferdebesitzer – auch das Pferd kann es oft kaum erwarten, endlich wieder frisches Gras zu fressen. Doch ein plötzlicher Start ins satte Grün kann zu Problemen führen: Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Hufrehe und Stoffwechselentgleisungen sind mögliche Folgen des sogenannten „Grünfutterschocks“.
Ein guter Start schon im Februar oder März
Um diesen Belastungen vorzubeugen, lohnt es sich, bereits im späten Winter mit der Vorbereitung zu beginnen. Schon im Februar oder März – natürlich nur, wenn die Bodenverhältnisse es zulassen – können Pferde für wenige Minuten auf die Wiese geführt werden.
Wenn das Pferd sehnsüchtig nach den ersten grünen Halmen schielt, spricht nichts dagegen, es an der Hand ein wenig grasen zu lassen. Diese kurzen „Naschmomente“ helfen dem Verdauungssystem, sich frühzeitig auf die kommende Futterumstellung einzustellen.
Ein solches Vorgehen ist definitiv sinnvoller, als das Pferd mit einem plötzlichen Wechsel von Heu auf üppiges Frühlingsgras zu überfordern. Denn gerade zu Beginn der Saison kommt es nicht selten vor, dass Pferde in nur 30 Minuten mehr Gras aufnehmen als in drei Stunden Winterweide!
Warum langsames Anweiden so wichtig ist
Frisches Weidegras enthält deutlich mehr Eiweiß, Zucker und Wasser als das strukturreiche Heu oder die karge Winterweide. Der Verdauungstrakt, die Darmflora und der gesamte Stoffwechsel des Pferdes müssen sich erst langsam an diese veränderten Bedingungen anpassen.
Ein behutsames Anweiden schützt also nicht nur den Magen-Darm-Trakt, sondern auch Leber, Nieren und den gesamten Organismus.
Herausforderungen im Einstellbetrieb
Die oft empfohlene Methode, die Weidezeit täglich um zehn Minuten zu steigern, ist in größeren Pensionsställen kaum praktikabel. Wenn 30 Pferde nacheinander auf die Weide geführt werden, müsste das erste schon wieder zurück, bevor das letzte überhaupt draußen ist.
Ein guter Kompromiss: Ein kleiner, nicht zu üppig bewachsener Grünstreifen, der mit einem mobilen Zaun abgesteckt wird. So kann die Pferdegruppe kontrolliert und schrittweise ans frische Gras gewöhnt werden, ohne dass es logistisch aus dem Ruder läuft.
Für Privatpferdehalter gut umsetzbar
Privatpersonen haben es oft leichter. Hier bietet sich ein strukturierter Plan an:
- Tag 1: Nach dem Austoben 10 Minuten grasen lassen – das hilft, überschüssige Energie abzubauen und schützt vor „Fressattacken“.
- Tageszeit: Am besten am Nachmittag, wenn der Fruktangehalt im Gras bereits gesunken ist.
- Steigerung: Jeden Tag kann die Weidezeit um 10 Minuten verlängert werden – immer abhängig von der individuellen Verdauungstoleranz des Pferdes.
Nach vier bis sechs Wochen: freie Weidefreude
Wenn dieser langsame Aufbau konsequent durchgezogen wird, steht einer vollen Weidenutzung nach etwa vier bis sechs Wochen nichts mehr im Wege. Dann können die Pferde das frische Gras genießen – ohne gesundheitliche Risiken.
Sicherheit geht vor – auch bei der Weideführung
Ein wichtiger Hinweis: Lass die Pferde zu Beginn nicht auf eine zu große Fläche. Auch sonst brave Tiere können beim ersten Weidegang übermütig werden – und sind dann nur schwer wieder einzufangen. Ein kleiner, abgegrenzter Bereich ist deutlich einfacher zu kontrollieren und reduziert das Verletzungsrisiko.
Kontrolle der Zäune nicht vergessen
Vor Beginn der Weidesaison lohnt sich ein gründlicher Check von Paddock- und Weideumzäunung. Sobald Pferde einmal Weideluft geschnuppert haben, steigt die Motivation, sich Zugang zu frischem Grün zu verschaffen – oft mit kreativen Methoden:
- Elektrozäune werden getestet,
- Holzlatten gelockert oder durchbrochen,
- Zäune untergraben oder gar Weidetore geöffnet.
Eine unkontrollierte Fressorgie kann gefährlich werden – Koliken, Hufrehe oder Durchfall sind häufige Folgen.